Meinhard Geiken im Gesprch mit drei Kolleginnen und Kollegen

Das Besondere der Kste

(01.08.2016) IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken im Gesprch mit Ute Berbsse, Michael Eilers und Bastian Szesny, drei ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen, ber die Erfolge der IG Metall, den Wert von Tarifvertrgen und neue Wege in der Bildungsarbeit.

Ute Berbsse und Meinhard Geiken.

Die IG Metall nutzt ihre Netzwerke, etwa in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Wie sieht dort die Branchenarbeit aus?

Michael: Uns ist es gelungen, das bundesweite Netzwerk Airconnect aufzubauen, in dem Betriebsrte von Herstellern und Zulieferern zusammenarbeiten. Es gibt enge Kontakte zur Bundesregierung. Wir beziehen Position fr die Luft- und Raumfahrtbranche. Durch unsere Analysen knnen wir gegenber der Politik selbstbewusst auftreten. Wir betreiben in Berlin und Brssel Lobbyarbeit fr die Beschftigten.

Meinhard: Ich will, dass wir als IG Metall Kste insbesondere in drei Bereichen sprachfhig sind und dazu gefragt werden: im Schiffbau, in der Windindustrie und in der Luft- und Raumfahrtbranche. Dafr haben wir unsere Betriebsrte-Netzwerke und lassen unsere Branchenanalysen erstellen. Wir kmpfen fr Arbeitspltze und Standorte und gestalten so die Zukunft an der Kste. Wir haben da viel vom Schiffbau gelernt: Die Arbeitsgemeinschaft Schiffbau, die enge Vernetzung der Betriebsrte, hat eine lange Tradition. Und auch die Schiffbauumfrage, in der wir die Beschftigungssituation der Werften und Zulieferer untersuchen, wird es in diesem Jahr zum 25. Mal geben.

Neue Wege geht die IG Metall Kste in der Bildungsarbeit mit der Seminarreihe Junge Aktive.

Bastian: Sie hat mir viel gebracht. Das ist nicht nur ein Seminar. Die Reihe hat eine ungeheure Breite. Es ist alles sehr kompakt: von Rhetorik bis Projektmanagement. Viele Ideen sind aus der Gruppe gekommen. Und es entsteht ein Netzwerk: Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen kommen immer wieder zusammen und tauschen sich aus.

Meinhard: Aus eigenem Erfahren und von anderen lernen: Das ist das Besondere an unseren IG Metall-Seminaren. Fr Betriebsrte msste es selbstverstndlich sein, dass sie ausschlielich zu unseren Seminaren gehen.

Ute: Ich war auch nie auf einem anderen Seminar.

Bastian: Bei den Seminaren hat sich viel getan. Die Angebote sind spezifisch auf unsere Themen zugeschnitten.

Meinhard: Wir sind Teil der Gesellschaft. Auch unsere Funktionre werden lter. Deshalb bereiten wir uns auf den Generationswechsel vor und bieten mit der Reihe Junge Aktive eine zielgerichtete Ausbildung fr Metallerinnen und Metaller an, die noch nicht ganz so lange aktiv sind. Wir gucken dabei auch, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiterentwickeln knnen sei es als Betriebsrat, ehrenamtlich Aktiver oder als politischer Sekretr.

Ute: Da knnen die anderen Bezirke von uns lernen. Bei der Beteiligung setzen wir Mastbe, zum Beispiel mit diesem Ausbildungsgang. Wir haben zwar weniger Industrie im Norden, aber die Kolleginnen und Kollegen nehmen wir mit. Politik macht bei uns nicht der Bevollmchtigte mit einigen Betriebsratsfrsten,
sondern mit vielen Aktiven. Ich habe das Gefhl: Die Basis ist bei uns breiter.

Meinhard: Wir leben auch von den Strukturen. Deshalb brauchen wir auch die Ausschsse in den Geschftsstellen und im Bezirk. Gewerkschafter ist man ein Leben lang. Die Projektarbeit ist auch wichtig, aber eben auch nur kurzfristig. Daneben mssen wir auch die Mglichkeit fr ein langfristiges Engagement bieten.
Ausblick welche Herausforderungen seht ihr in den nchsten Monaten fr die IG Metall?

Bastian: Mir geht es vor allem um das Berufsbildungsgesetz, in dem die Ausbildung geregelt wird. Die Bundesregierung hat eine Novellierung angekndigt, aber wir befrchten, dass das nichts Ordentliches wird. Deshalb sind die Ortsjugendausschsseaktiv und diskutieren darber mit den rtlichen Bundestagsabgeordneten.

Michael: Wir mssen dem rechten Rand, etwa der AfD, entgegen treten. Europa muss eine Solidargemeinschaft bleiben und darf nicht auseinander fallen. Gute Arbeit Gutes Leben: Da mssen wir auch dran bleiben. Und das Thema Rente: Es ist eine Riesenbaustelle. Wir mssen die Senkung des Rentenniveaus stoppen. Fr die Tarifpolitik bedeutet das: den Ausbau der Betriebsrente.

Ute: Die Diskussion ber die Arbeitszeit hat fr mich oberste Prioritt. Da mssen wir die Gesellschaft mitnehmen. Es kann nicht sein, dass alle immer mehr arbeiten sollen.

Meinhard: Das sind die Themen der Zukunft. Wir drfen uns nicht in Einzelscheiben zerlegen lassen und mssen an unsere Werte erinnern: an Solidaritt und Gerechtigkeit. Es ist nicht zu ertragen, dass Reiche immer reicher und Arme immer rmer werden. Wir setzen uns mit den Vernderungen in den Betrieben, etwa unter der berschrift Industrie 4.0, und in der Gesellschaft wie der zunehmenden Zahl von Menschen, die vor Krieg und Hunger fliehen, auseinander. Wir mssen mit den Menschen ber unsere Werte reden.



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