Thyssen-Krupp Marine Systems in Emden

Hoheit ber die Arbeitszeit zurckgeholt

(19.12.2016) Die Interessenvertretung bei Thyssen Krupp Marine Systems in Emden machte sich stark und handelte einen Zusatztarifvertrag aus. Die neue Regelung schafft Klarheit und Transparenz in Sachen Arbeitszeit.

Die flexible Gestaltung der Arbeitszeit ist fr ThyssenKrupp Marine Systems in Emden Teil des Geschftsmodells. Allerdings: lange Zeit gab es verschiedene Regelungen. Mit dem Zusatztarifvertrag zu Arbeitszeitkonten haben IG Metall und Betriebsrat nun die Arbeitszeitflexibilitt im Betrieb geregelt. "Jetzt wird alles so vergtet, wie es sich gehrt, und alles ist transparent", sagt Betriebsratsvorsitzende Amke Wilts-Heuse.

Fr die Interessenvertretung ging es darum, die Hoheit ber die Regelung der Arbeitszeit zurckholen. Weil teilweise immer noch nach den alten Regelungen zur Arbeitszeitflexibilitt verfahren wurde und die alten Arbeitszeitkonten weitergefhrt wurden, kndigte der Betriebsrat alle Betriebsvereinbarungen. "Wir hatten drei Arbeitszeitkonten - Flexi-Zeit, Gleitzeit, Mehrarbeit", sagt Amke Wilts-Heuse. Diese wurden weitergefhrt, obwohl das im Manteltarifvertrag nicht vorgesehen ist. Auch hatte der Arbeitgeber von der 35. bis zur 40. Wochenstunde keine Zuschlge gezahlt. "Wir wollten eine Neuregelung per Ergnzungstarifvertrag", sagt Amke Wilts-Heuse.

Klares Ziel vor Augen

Die Geschftsfhrung sah hierfr aber keine Notwendigkeit - nach ihrer Ansicht sollte das Thema durch Betriebsvereinbarungen geregelt werden. "Nach monatelangen Stillstand in den Gesprchen erzielten wir eine Einigung mit dem Arbeitgeber." Fr die Interessenvertretung war dabei immer klar: Wenn es keine Beschftigungssicherung gibt, kann es auch keine Flexibilisierung der Arbeitszeit, keine Anweisung von Mehr- und Minderarbeit geben, und auerdem keinerlei Verzicht auf Zuschlge.

"Die neue Regelung schafft Klarheit und Transparenz, welche Ansprche die Beschftigten in Sachen Arbeitszeit haben und welche nicht", erklrt Amke Wilts-Heuse. Unter anderem hlt der Tarifvertrag fest, dass nun ein individuelles Arbeitszeitkonto fr jeden Beschftigten alle Arbeitszeit-Stunden erfasst und es eine klare Definition zuschlagspflichtiger Mehrarbeit gibt: Diese beginnt ab der siebten Stunde tglich und nach 35 Stunden wchentlich. Die Grenzen des Kontos liegen bei Plus 175 Stunden beziehungsweise Minus 70 Stunden, es muss einen Nulldurchlauf innerhalb von 12 Monaten geben. Festgehalten ist auch, dass der Arbeitgeber mit den Beschftigten flexible Mehr- oder Minderarbeit besprechen kann und umgekehrt. Nach der Regelung hat der Beschftigte auch das Recht, die Forderung des Arbeitgebers abzulehnen. "Der Einzelne kann aber auch selbst mit seinen Vorstellungen an den Arbeitgeber herantreten", erklrt Amke Wilts-Heuse.

Transparente Regelung


Einen Konflikt gab es im Vorfeld um die Insolvenzsicherung von Arbeitszeitkonten, erzhlt die Betriebsrtin. Im Falle einer Veruerung oder Standortschlieung haben Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ein Sonderkndigungsrecht des Tarifvertrages. Die Beschftigten haben dann ein Recht auf Auszahlung von Stundensalden, die 30 Stunden bersteigen.

"Die neue Regelung ist transparent fr alle und wird gelebt", sagt Amke Wilts-Heuse, "das war vorher ganz anders." Sie wird aber auch regelmig berprft und dabei bewertet, ob unter Umstnden etwas gendert werden muss. Das steht aber momentan nicht an - das Unternehmen hat genug Flexibilitt. Und die Beschftigten haben die Chance auf eigene Zeitsouvernitt, ohne dass sie auf Zuschlge oder andere Dinge verzichten mssen. Deshalb wollen die Betriebsrte und die IG Metall die Regelung so beibehalten.

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