Ein neuer Lebensabschnitt

Ausbildungsstart: Die IG Metall beantwortet die wichtigsten Fragen

(22.08.2017) Mit dem Ausbildungsstart ndert sich fr Jugendliche der Alltag ganz entscheidend. Den neuen Azubis drngen sich damit viele Fragen auf: Was darf ich, was darf ich nicht? Worauf muss ich achten? An wen kann ich mich wenden, falls es Probleme gibt? Die IG Metall beantwortet die wichtigsten Fragen.

Auszubildende haben Pflichten im Betrieb - aber auch klare Rechte: Sie mssen keine Arbeiten machen, die nicht zur Ausbildung gehren. Und sie haben Anspruch auf qualifizierte Ausbilder.

Rechte ...
Fr jeden Beruf existiert eine Ausbildungsordnung, die auch Grundlage fr den Ausbildungsplan des Betriebs ist. Dort steht genau drin, was ein Auszubildender zu welchem Zeitpunkt lernen soll. Um dies auch bei Prfungen belegen zu knnen, muss das Berichtsheft gefhrt werden. Auszubildende haben das Recht, das in ihrer Arbeitszeit zu erledigen. Zudem mssen den Auszubildenden im Betrieb Fachleute zur Seite stehen. Das heit, ausbilden darf nur, wer dazu fachlich geeignet ist, etwa der Meister im Handwerksbetrieb. Der Ausbilder oder die beauftragte Person muss aber auch persnlich geeignet sein und die notwendigen pdagogischen Fhigkeiten
besitzen.

... und Pflichten
Ein Auszubildender muss die ihm bertragenen Aufgaben sorgfltig ausfhren. Diese Ttigkeiten drfen dabei nicht das Knnen oder die krperlichen Krfte des Auszubildenden bersteigen und mssen immer dem Ausbildungsziel dienen. Gerade zu Ausbildungsbeginn drfen dabei auch Fehler passieren. Entsteht dabei ein Schaden, kann der Chef den Auszubildenden nur unter bestimmten Umstnden haftbar machen. Und zwar nur, wenn er grob fahrlssig handelt, das heit, wenn er leichtfertig offensichtliche Sorgfaltspflichten missachtet, etwa indem er alkoholisiert arbeitet. Das gilt auch fr Werkzeuge, Material und Maschinen. Deshalb sollten Auszubildende mit allen Gerten vorsichtig und pfleglich umgehen.

Probezeit
Die Probezeit dauert ein bis maximal vier Monate. Whrend der Probezeit knnen sowohl der Auszubildende als auch der Betrieb von heute auf morgen und ohne Begrndung das Ausbildungsverhltnis kndigen. Die Kndigung muss schriftlich erfolgen.

Ausbildungsplatzwechsel
Auszubildende knnen kndigen oder einen Aufhebungsvertrag vereinbaren und ihre Ausbildung in einem anderen Unternehmen fortsetzen. Sie sollten aber erst dann kndigen, wenn sie einen neuen Betrieb gefunden haben, der sie bernimmt. Wenn der Arbeitgeber mit ihrem Weggang nicht einverstanden ist, brauchen Auszubildende einen gravierenden Grund fr eine fristlose Kndigung.

Schlechte Ausbildung?
Ausbilder mssen Auszubildende entsprechend des Ausbildungsrahmenplans und des betrieblichen Ausbildungsplans aktiv ausbilden. Sie mssen dafr sorgen, dass die Auszubildenden das Ausbildungsziel in der dafr vorgesehenen Zeit erreichen knnen. Ausbildungsfremde Arbeiten wie andauerndes Putzen oder endlose Routinettigkeiten haben in der Ausbildung nichts zu suchen und stellen nach Paragraf 102 Berufsbildungsgesetz eine Ordnungswidrigkeit dar. Die IG Metall rt: Wer nicht richtig ausgebildet wird, sollte sich unbedingt wehren, da sonst das Ausbildungsziel nicht erreicht werden kann.

berstunden
berstunden sind in der Ausbildung nicht vorgesehen. Auszubildende erlernen in erster Linie ihren Beruf - und dazu reicht die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit aus. Wenn sie berstunden machen, muss sich der Betrieb an die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes halten. Der Ausbildungsbetrieb muss alle berstunden der oder dem Auszubildenden mit entsprechendem Zuschlag vergten oder in Freizeit ausgleichen.

Urlaub
Im Ausbildungsvertrag steht, wie viel Urlaub es pro Jahr gibt. Die IG Metall-Tarifvertrge sehen 30 Tage Urlaub vor. Der Jahresurlaub ist im laufenden Kalenderjahr zu nehmen, davon muss der Arbeitgeber mindestens zwei Wochen am Stck gewhren. Die IG Metall rt, den Urlaubsantrag frhzeitig schriftlich zu stellen. Darauf muss der Arbeitgeber innerhalb eines Monats reagieren.

Ausbildungsvergtung
Die Ausbildungsvergtung ist in der Regel in Tarifvertrgen vereinbart. Wie hoch sie in den einzelnen IG Metall-Branchen ist darber gibt das IG Metall-Tarifinfo einen berblick. Ist der Betrieb nicht tarifgebunden, muss die Vergtung angemessen sein. Auszubildende in einer normalen dualen Ausbildung haben Anspruch auf mindestens 80 Prozent der blichen tariflichen Vergtung, in einer berbetrieblichen Ausbildung auf mindestens 55 Prozent.

Finanzielle Hilfen
Wenn das Geld nicht reicht, knnen Auszubildende bei der Arbeitsagentur eine Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Eltern von Auszubildenden unter 25 Jahren erhalten auerdem weiterhin Kindergeld, solange sie in der Ausbildung sind. Wenn Auszubildende nicht mehr zu Hause wohnen und den Eltern keine Kosten entstehen, mssen sie ihren Kindern das Kindergeld auszahlen.

bernahme
Seit 2012 haben Ausgelernte einen tariflichen Anspruch auf die unbefristete bernahme nach der Ausbildung. Diese setzte die IG Metall in der Metall- und Elektrobranche, in der Eisen- und Stahlindustrie, in der Holz- und Kunststoffbranche sowie in vielen Handwerksbereichen durch. In Betrieben, in denen diese Tarifvertrge gelten, haben Auszubildende, die IG Metall-Mitglied sind, Anspruch auf eine unbefristete bernahme. Der Betriebsrat kann hier auch gemeinsam mit dem Arbeitgeber den Personalbedarf feststellen und planen, wie viele Ausgelernte in ein festes Arbeitsverhltnis bernommen werden. Wenn nach dieser Personalbedarfsplanung feststeht, dass eine unbefristete bernahme mglich ist, besteht ein Anspruch darauf. Auch wenn der Betrieb ber Bedarf ausbildet, haben Ausgelernte einen Anspruch darauf, mindestens fr ein Jahr beschftigt zu werden - es sei denn, Betriebsrat und Arbeitgeber haben dazu etwas anderes vereinbart.

Abmahnung
Mit einer Abmahnung zeigt der Arbeitgeber dem Auszubildenden die gelbe Karte. Unter Umstnden droht er mit Kndigung, falls der Auszubildende nochmal gegen die Spielregeln verstt. Eine Abmahnung in der Personalakte kann auch Auswirkungen auf die bernahme nach der Ausbildung haben. Einer Kndigung mssen mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen. Die IG Metall rt, den Inhalt der Abmahnung genau zu prfen und eine Gegendarstellung zu verfassen, falls sie unberechtigt ist. Auf alle Flle ist es anzuraten, den Betriebsrat, die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder die IG Metall einschalten.

Noch Fragen?
Grundstzlich gilt bei allen Fragen rund um die Ausbildung: Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), der Betriebsrat und die IG Metall helfen kompetent und auch gerne weiter. Davon sollten sich Auszubildende gleich am Anfang berzeugen und eine Mitgliedschaft in der IG Metall erwgen.

Was macht die JAV auerdem noch?
Die JAV vertritt alle Auszubildenden im Betrieb. Sie achtet darauf, dass der Arbeitgeber alle Gesetze, Vorschriften und Tarifvertrge, die die Auszubildenden betreffen, einhlt. Die JAV kmmert sich auch um Probleme der Auszubildenden, erarbeitet Lsungen und beantragt Manahmen, die die Ausbildung verbessern.



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Julia Groher
Bezirksjugendsekretrin

Telefon 040 280090-27
Julia.Groher@igmetall.de



Florian Rebstock
Studierendenarbeit

Telefon 040 280090-0
Florian.Rebstock@igmetall.de