Industrie 4.0

metallzeitung Kste Nr. 7/2015

(09.07.2015) Welche Vernderungen bewirkt die zunehmende Vernetzung von digitalisierter Welt und
industrieller Produktion in den Betrieben und wo besteht der grte Handlungsdruck?
Antworten liefert die Auswertung einer Betriebsrtebefragung im Bezirk Kste. Die
Ergebnisse wurden auf der 43. ordentlichen Bezirkskonferenz in Bremen prsentiert.

Betriebsrtin Cora Schwittling hat eine Vorstellung davon, wohin die Reise gehen kann: Bald bestellt bei uns das Regal die Ware selbst! Ganz so weit ist es bei ihrem Arbeitgeber Daimler in Bremen noch nicht. Aber die Arbeit verndert sich durch Industrie 4.0 immer strker, beobachtet sie.

So wie Schwittling sehen es derzeit viele Betriebsrte. In immer mehr Unternehmen hinterlsst die digitale Revolution ihre Spuren: Zwei Drittel aller in einer Befragung der IG Metall Kste erfassten Betriebe haben in den letzten Jahren Vernderungen in den Produktions- und Verwaltungsablufen unternommen. In 70 Prozent der Firmenwurde neue Software eingefhrt. Bei Daimler in Bremen lagen die Vernderungen zum Beispiel im verstrkten Einsatz von Sensortechniken und anderen Automatisierungen. Derzeit wird auerdem in einem Projekt die Nutzung von Leichtrobotern geprft.

Die Einfhrung immer neuer Techniken und Maschinen, die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung stellen die Beschftigten vor immense Herausforderungen. Da wundert es nicht, dass fast alle der befragten Betriebsrte genau 95,2 Prozent den grten Handlungsdruck im Bereich der Qualifizierung sehen. Hier setzt auch Bezirksleiter Meinhard Geiken an: Entscheidend ist, dass die Kollegen in den Betrieben nicht von Vernderungen berrollt, sondern auf dem Weg mitgenommen werden. Hier sehe ich auch uns als IG Metall in der Pflicht, einerseits immer wieder mehr Zeit und Geld fr die Weiterbildung zu fordern und andererseits den industriellen Wandel selber aktiv mitzugestalten. Grundbedingung dafr sei es, die Mitbestimmung in den Betrieben weiter zu strken und den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen.

Qualifizierung sei deswegen auch so wichtig, so Betriebsrtin Schwittling, damit die Schere zwischen hochqualifizierter und niedriger qualifizierter Arbeit nicht noch weiter aufgeht. Schon jetzt sei es so, dass niedrigqualifizierte Beschftigung an einigen Stellen ausgegliedert wird, whrend die Anforderungen bei anderen Ttigkeiten rasant steigen wrden. Damit einher wrden auch die krperlichen und psychischen Belastungen steigen. berforderung, oder Entgrenzung von Arbeit sind Aspekte, mit denen wir uns auseinandersetzen mssen.

Fr Geiken muss es deswegen darum gehen, auch ber Betriebsvereinbarungen und Tarifvertrge klare Regelungen im Sinne der Beschftigten zu erreichen. Ein konkretes Beispiel dafr ist der Datenschutz. ber 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sah sich durch die Einfhrung spezieller Software auf diesem Gebiet mit neuen Fragen konfrontiert. Im Umgang mit den neuen Datenstrmen brauche es auch gesetzliche Anpassungen, so Geiken.

Wichtig sei es aber, auch die Chancen von Industrie 4.0 zu sehen: Wenn wir den Wandel mitgestalten, bin ich berzeugt, dass uns die Industriearbeit mit allen ihren neuen technischen Entwicklungen eine gute Zukunftsperspektive bieten kann.

:: Hier die Regionalseiten zum herunterladen. (PDF | 1611 KiB)



Druckansicht