Tarifbindung

Auf dem Weg zu Tarifvertrgen

(31.01.2017) Mit Erfolg setzen sich Beschftigte in Mecklenburg-Vorpommern fr bessere Arbeitsbedingungen ein: Die IG Metall erreicht fr immer mehr Betriebe eine Tarifbindung. Eine weitere Tarifoffensive ist geplant.

Es tut sich was in Mecklenburg-Vorpommern. In immer mehr Betrieben machen Beschftigte Druck fr Tarifvertrge. Dabei geht es nicht nur um mehr Geld, etwa konkrete Erhhungen, die stufenweise Angleichung an Flchentarifvertrge oder die Einfhrung von Weihnachts- und Urlaubsgeld, sondern auch um Arbeitszeiten und Urlaubstage. Durch neu abgeschlossene Tarifvertrge sinkt die Arbeitszeit in manchen Betrieben von 40 auf 38 Stunden in der Woche. Im Tischlerhandwerk steigt die Zahl der Urlaubstage zum Beispiel von 24 auf 30 Tage.

Insgesamt hat die IG Metall seit 2010 im Nordosten fr mehr als 8000 Beschftigte aus fast 20 Betrieben und dem Tischlerhandwerk eine Tarifbindung erreichen knnen. Allein seit Dezember 2015 gab es erstmalige Tarifabschlsse fr 1500 Beschftigte. Beispiele sind der Bootsbauer HanseYachts in Greifswald, der Automobilzuliefererer ZF TRW und der Flugzeugzulieferer FlammAerotec in Rostock- Laage.

Streikaktion bei FlammAerotec in Rostock-Laage. Foto: IG Metall Rostock-Schwerin

Tarifoffensive geplant

Die Tarifabschlsse haben nichts mit Einsicht der Unternehmer zu tun. "Die Beschftigten machen sich auf den Weg und drngen ihre Arbeitgeber zum Abschluss von Tarifvertrgen", sagt Stefan Schad, Geschftsfhrer der IG Metall Rostock und Schwerin. Fr die nchsten Monate plant er eine Tarifoffensive in den beiden Geschftsstellen. Ehrenamtliche und hauptamtliche Gewerkschafter bilden so genannte Erschlieungsteams und werben bei den Belegschaften anderer Betriebe fr den Abschluss von Tarifvertrgen. Auseinandersetzungen laufen derzeit beim Spezialfahrzeughersteller Oberaigner in Rostock-Laage, bei mts Perforator in Valluhn, einem Hersteller von Tunnelbaumaschinen, und PTG Przisionstechnik in Gstrow, einem Fertiger von Zahnradgetrieben.

Bei Schottel in Wismar wollen die Beschftigten das Unternehmen mit Warnstreiks und anderen Aktionen wie Groflchenplakaten am Stammsitz in Spay am Rhein wieder in die Tarifbindung zurckholen. Whrend das Unternehmen in Wismar aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist, sollen im Western weiter Tarifvertrge gelten: "Wir sind keine Menschen zweiter Klasse. Auch im Osten wollen wir Tarifvertrge", sagte Daniel Friedrich, Geschftsfhrer der IG Metall Lbeck-Wismar, bei einer Kundgebung vor dem Werk in Wismar Ende November.

Auseinandersetzungen laufen auch bei Oberaigner in Rostock-Laage. Foto: IG Metall Rostock-Schwerin

Gute Argumente reichen nicht

Auch die Landesregierung wirbt fr Tarifvertrge. Ministerprsident Erwin Sellering (SPD) erklrte auf dem Neujahrsempfang der Regierung, es gehe darum, gute Arbeitspltze mit fairen Lhnen und guten Arbeitsbedingungen zu schaffen. Die Wirtschaftsfrderung solle noch strker auf die Schaffung unbefristeter sozialversicherungspflichtiger und tarifgebundener Arbeitspltze ausgerichtet werden. Darber wolle er mit Gewerkschaften und Unternehmen sprechen.

Die Vereinigung der Unternehmensverbnde hlt davon nichts und verweist auf die im Grundgesetz verankerte Koalitionsfreiheit. "Wer diese Grundregel unserer Verfassung nicht anerkennt, sondern die Betriebe mit staatlichen Regeln zwangsbeglcken oder eine Tarifbindung politisch erzwingen will, der verlsst den Boden der Sozialen Marktwirtschaft", sagte Prsident Thomas Lambusch. Gute Argumente allein werden also auch knftig nicht fr Tarifabschlsse reichen.

Zum Thema auf igmetall-kueste.de:
Wieder im Flchentarif



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