Schmitz Cargobull in Toddin

Blitz-Streik: Wie eine Belegschaft um ihren Standort kmpft

(10.07.2017) Der Anhnger-Hersteller Schmitz Cargobull will seinen Standort in Toddin bei Schwerin dichtmachen. Doch die Belegschaft leistet entschlossen Widerstand - und kann schon erste Erfolge verzeichnen. Mittlerweile hat der Protest das ganze Unternehmen erfasst. Die Botschaft an die Kolleginnen und Kollegen: Ihr seid nicht allein!

(Foto: IG Metall)

Eine Dorfstrae, ein Weiher, ein paar Dutzend Huser, drum herum Wiesen, Felder und einige Flecken Wald: Das ist das rtchen Toddin in Mecklenburg-Vorpommern. Es knnte eine lndliche Idylle sein. Doch der Eindruck tuscht.

In Toddin tobt ein Kampf um Arbeitspltze. Seit Wochen schon. Es gibt dort nmlich nicht nur Landwirtschaft. Es gibt auch einen Industriebetrieb - einen einzigen. Die Schmitz Cargobull AG baut hier Lkw-Anhnger. Sie ist der wichtigste Arbeitgeber am Ort. 150 Menschen verdienen ihr Geld bei der Firma mit dem Elefanten-Logo.

Doch wenn es nach dem Willen der Unternehmensfhrung ginge, dann wrde es diese Jobs bald nicht mehr geben. Die Manager haben geplant, den Standort zu schlieen - obwohl er profitabel arbeitet. Im Mai wurde die Nachricht bekannt.

Fr die Beschftigten war es ein Schlag ins Gesicht. Viele haben den Standort nach der Wende mit aufgebaut. Die Frage war nun: Wie reagieren sie?

Resignation? Nein danke!

Den Kolleginnen und Kollegen ist klar: Wir geben nicht einfach auf! Nahezu geschlossen stimmen sie fr einen Streik. Es folgen rund zwei Wochen Arbeitskampf.

Die Entschiedenheit der Belegschaft zeigt schnell Wirkung: Zuerst vertagt der Aufsichtsrat die Entscheidung ber die Schlieung des Werks. Dann ist das Management endlich zu Gesprchen bereit. Mittlerweile gibt es einen ersten wichtigen Erfolg: Die Schlieung des Standorts ist vorerst vom Tisch. Darauf haben sich IG Metall Kste und der Vorstand von Schmitz Cargobull geeinigt. Der Vorstand soll seine bisherigen Plne berprfen und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern untersuchen, wie Toddin wettbewerbsfhig fortbestehen kann.

"Das war nur mglich, weil die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Wochen entschlossen fr die Zukunft des Standortes und ihre Arbeitspltze gekmpft haben", sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Kste.

So sieht es auch Stefan Schad, 1. Bevollmchtigter der IG Metall Schwerin. Er begleitet die Auseinandersetzung vor Ort und sagt: "Die Belegschaft hat toll reagiert - vor allem sehr schnell. Schon zwei Wochen, nachdem die Schlieungsplne bekannt wurden, ging der Streik los." Entscheidend dabei: Die Belegschaft ist gut organisiert, rund 85 Prozent sind Gewerkschaftsmitglieder. "Das war der Erfolgsfaktor", urteilt Schad.

Streik Schmitz Cargobull Toddin

Breite Untersttzung

Was fr die Beschftigten auf dem Spiel steht wird klar, wenn man mit Markus Glaser spricht. Der 26-Jhrige hat sein gesamtes Berufsleben bei Schmitz Cargobull verbracht, angefangen mit der Ausbildung zum Fertigungsmechaniker. Auch sein Bruder und sein Vater arbeiten dort. Der Bruder hat vor kurzem ein Kind bekommen, ein Haus gebaut. Der Vater gehrt zur Belegschaft der ersten Stunde, hat gleich nach der Wende bei Cargobull angeheuert. "In unserer Gegend findet man so schnell nichts anderes", sagt der Metaller. "Da geht es um unsere Existenzen.

Umso motivierter kmpft Glaser. Whrend die Verhandlungen zwischen IG Metall und Firmenleitung laufen, trommeln die Toddiner Beschftigten weiter fr die Zukunft ihrer Jobs. Unter dem Motto "Toddin ist berall" fahren die Streikenden quer durchs Land zu anderen Standorten von Schmitz Cargobull. Sie sammeln Unterschriften, fhren Gesprche. Die IG Metall organisiert die Fahrten, sorgt fr Verpflegung.

Metallerinnen und Metaller schicken nun von berall her Solidarittsbotschaften - per Foto, per Video, ber die eigens eingerichtete Facebook-Seite. Oder sie kommen selbst nach Toddin und sprechen ihre Untersttzung aus. Toddin surft auf einer Welle der Solidaritt.

"Das ist sehr wichtig fr uns", sagt Glaser. "Es zeigt uns: Wir sind nicht allein." Die Toddiner schpfen daraus Kraft. Sie wissen: Wenn wir einbrechen, hat die Firma leichtes Spiel.

Wie der Kampf um Cargobull ausgeht, ist noch offen. Fest steht schon jetzt: Die Belegschaft hat sich eine echte Chance erkmpft. Eine Chance darauf, dass es in Toddin auch in Zukunft Arbeitspltze gibt - und nicht nur Wiesen, Felder und ein paar Flecken Wald.



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