Meinhard Geiken im Gesprch mit drei Kolleginnen und Kollegen

Das Besondere der Kste

(10.06.2016) IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken im Gesprch mit Ute Berbsse, Michael Eilers und Bastian Szesny, drei ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen, ber die Erfolge der IG Metall, den Wert von Tarifvertrgen und neue Wege in der Bildungsarbeit.

Bastian Szesny Zerspannungsmechaniker bei Schottel Schiffsmaschinen in Weismar, Michael Eilers, Betriebsratsvorsitzender bei Premium Aerotec in Nordenham, Ute Berbsse, Betriebsratsvorsitzende bei LMT Fette, und Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Kste (von links nach rechts).

Wie begeistert ihr andere fr die IG Metall?

Ute Berbsse: Entscheidend ist die Tarifbindung. Wir machen auch in unserer wirtschaftlich schwierigen Situation deutlich, wie wichtig diese ist. Den Kolleginnen und Kollegen ist deshalb klar: Bei Angriffen auf die Tarifbindung msst ihr aus dem Knick kommen. Was kommt sonst als nchstes? Wir geben 1:1 wieder, was die Geschftsfhrung will und entscheiden dann gemeinsam, wie wir darauf reagieren. Das ist eine andere Form von Beteiligung.

Michael Eilers: Tarifliche Leistungen sind keine Selbstverstndlichkeit. Als es um die Ausgliederung der ehemaligen Airbus-Werke ging, wurde auch bei uns vieles in Frage gestellt. Das Weihnachtsgeld zum Beispiel oder Zuschlge fr berstunden und Mehrarbeit. Andererseits haben wir gerade LeiharbeiterInnen bernommen. Sie haben schnell erkannt, welchen Vorteil die Tarifvertrge fr sie haben. Die meisten sind deshalb auch in die IG Metall eingetreten. Wichtig ist, die Kolleginnen und Kollegen immer offen und ehrlich zu informieren. Das machen wir mit unserer eigenen Zeitung, dem Papierflieger.

Bastian Szesny: Bei den Auszubildenden zieht die unbefristete bernahme. Das wir die in den Tarifverhandlungen fr die Metall- und Elektroindustrie durchgesetzt haben, ist ein groer Pluspunkt. Bei lteren Kolleginnen und Kollegen ist es bei uns in Mecklenburg-Vorpommern teilweise schwierig, sie fr die Gewerkschaft zu begeistern. Sie haben seit der Wende viele Enttuschungen erlebt. Wenn es in den nchsten Jahren um die Arbeitszeit gehen soll, mssen wir uns bewegen. Von allein erreichen wir keine Verbesserungen.

Tolle Tarifvertrge allein knnen aber doch kaum der Grund sein, warum die Mitgliederzahlen der IG Metall seit fnf Jahren wieder steigen?

Meinhard Geiken: Wir sind ganz nah dran an den Kolleginnen und Kollegen. Wir haben ein Gesicht im Betrieb. Das seid ihr. Die Ergebnisse unserer Arbeit unsere Tarifvertrge und unsere Betriebsvereinbarungen werden jeden Tag aufs Neue berprft. Luftschlsser knnen wir niemandem verkaufen. Und auch der Wert von Tarifvertrgen ist wieder gestiegen. Unsere Abschlsse sind gut. Das wird auch so in den Betrieben wahrgenommen. Auch im Osten gibt es eine Trendwende: Gemeinsam wollen die Beschftigten wieder etwas erreichen. Insgesamt gibt es eine positive Stimmung.

Michael: Es ist uns gelungen, wichtige Themen wie Leiharbeit und Werkvertrge in die Gesellschaft zu transportieren. Gute Arbeit ist eine zentrale Forderung, die von vielen auch auerhalb der IG Metall geteilt wird. Ein Beispiel ist die Koppelung von ffentlichen Frdergeldern an die Sicherheit von Arbeitspltzen. Weil wir uns dafr eingesetzt haben, ist das in vielen Fllen Praxis. Wir haben auerdem neue Konzepte, wie wir Beschftigte in Leiharbeit und mit Werkvertrgen ansprechen. Wir sind fr alle Kolleginnen und Kollegen in unseren Betrieben da.

Ute: Wir setzen Themen. Die Kampagne zu Leiharbeit hat mich besonders beeindruckt. Pltzlich hatte jeder eine Meinung dazu. Auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 haben wir viel erreicht. Die Ausweitung der Kurzarbeit htte es ohne die IG Metall nicht gegeben. Bei aktuellen Themen knnen sich die Kolleginnen und Kollegen auch kurzzeitig einbringen, etwa in den Expertengruppen bei uns in der Geschftsstelle. Das ist Beteiligung ber ein Thema, das einen gerade bewegt.

Meinhard: Bei Werkvertrgen haben wir in den vergangenen Jahren unhaltbare Zustnde erleben mssen. Ich erinnere nur an die Meyer Werft in Papenburg oder die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Nachdem wir die dramatisch schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen in der ffentlichkeit skandalisiert hatten, konnten wir Tarifvertrge durchsetzen mit Verbesserungen fr die Werkvertragsbeschftigten und mehr Mitsprache fr unsere Betriebsrte. Auch in der Kontraktlogistik haben wir einige Erfolge: Beim Airbus-Dienstleister Stute oder in der Logistik im Bremer Stahlwerk gelten Tarifvertrge. Mglich war das nur, weil die Leute mitgegangen sind. Wir knnen nur gemeinsam mit den Beschftigten etwas gestalten, nicht stellvertretend fr sie. Wir mssen unsere Betriebsrte dazu bringen, bei Werkvertrgen genau hinzuschauen, damit der Missbrauch gestoppt wird.

Wie steht es um die Mitbestimmung in den Betrieben?

Bastian: Sie ist leider nicht selbstverstndlich. Man muss sich trauen, fr andere einzustehen und auch aushalten, dass Vorgesetzte gegen einen vorgehen.

Michael: Die Frage ist immer: Was lsst man mit sich machen? Wir haben der Geschftsfhrung gezeigt, als sie zu weit gegangen ist. Bei einer Aktion auf dem Hof haben alle rote Karten hochgezeigt. Damit war klar: Das ist nicht nur die Meinung von ein paar Funktionren, sondern die Leute stehen dahinter. Sie sind gut organisiert und kampferprobt.

Ute: Den Respekt muss man sich erarbeiten. Ich erwarte Gesprche auf Augenhhe.

Meinhard: Fr eine erfolgreiche Betriebsratsarbeit sind drei Dinge ntig: Erstens eine gute Qualifizierung. Die Kolleginnen und Kollegen mssen wissen, was Sache ist. Zweitens Selbstbewusstsein. Und drittens mssen die Leute mitgehen. Auseinandersetzungen um die Mitbestimmung haben wir auch in Grobetrieben: beim Windanlagenhersteller Enercon oder der Meyer Werft in Papenburg zum Beispiel. Letztere tut alles, um ihren Betriebsratsvorsitzenden loszuwerden. Der Gegensatz von Kapital und Arbeit ist nicht berwunden.

Im 2. Teil des Interviews lest ihr, wie die Branchenarbeit in den Netzwerken der IG Metall Kste aussieht und was die Themen der Zukunft sind. >>> weiter



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