Beschftigte wehren sich gegen Stellenabbau bei Enercon

"Es gibt Alternativen zu Entlassungen"

(09.08.2018) Der Windanlagenbauer Enercon will sich strker auf internationale Mrkte ausrichten und in Deutschland hunderte Menschen entlassen. Die IG Metall macht Druck. Sie will um jeden betroffenen Standort kmpfen.

Foto: Fotolia/TimSiegert

Die Ankndigung, dass in den nchsten Monaten mindestens 850 Beschftigte entlassen werden sollen, kam fr die Belegschaften des Windanlagenbauers Enercon berraschend. Entsprechend gro war der Schock. Gestern trafen sich im ostfriesischen Aurich, wo die Zentrale angesiedelt ist, mehr als 50 Betriebsrte aus den betroffenen Standorten in Ostfriesland und Magdeburg. Sie sind sicher, dass es Alternativen zu Entlassungen und Standortschlieungen geben muss.

Politik als Bremser

Die Betriebsrte und Metaller fordern die beiden Geschftsfhrer Simon-Hermann Wobben und Hans-Dieter Kettwig auf, mit der IG Metall, den Betriebsrten und Wirtschaftspolitikern auf Landes- und Bundesebene ber Alternativen zu reden. Der niederschsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) will kommenden Mittwoch alle Akteure an einen Tisch bringen. Die IG Metall will die Politik mit ins Boot holen, weil die aktuellen Probleme von Enercon auch Folgen der politischen Entscheidungen ber den Ausbau der Windenergie sind. Die Regierung deckelt den Ausbau, und bei neuen Ausschreibungen werden Brgerwindparks besonders gefrdert; die brgerfreundlich gemeinte Entscheidung fhrte dazu, dass Interessenten die Ausschreibungen gewannen, bei denen unklar ist, ob berhaupt und wann sie ihre Anlagen bauen. Die Folge: Es findet kaum noch Zubau statt, der Markt ist eingebrochen.


Signal aus Berlin

Die Regierungsparteien haben daraus zwar Konsequenzen gezogen. So haben sie im Koalitionsvertrag vereinbart, dass es Sonderausschreibungen fr vier Gigawatt Wind und zustzliche, nicht nher beschriebene, Offshore-Windenergie, also Anlagen auf See, geben soll. Vor der Sommerpause sollte darber entschieden werden. Aber bisher ist noch nichts passiert. Darum appellieren IG Metall und Betriebsrte eindringlich an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den Ankndigungen schnell Taten folgen zu lassen. "Wir erwarten ein klares Signal aus Berlin."

Wir fr Enercon: Betriebsrte und IG Metall machen gemeinsam Druck fr die Arbeitspltze und Standorte.

"Wir sind Enercon"

Vor allem erwarten sie aber von den Firmenchefs Wobben und Kettwig, Verantwortung fr die Zukunft der Betriebe zu bernehmen. Bisher weigern sich beide aber und erklren die Geschftsfhrer der einzelnen Werke fr zustndig. Rainer Hring, Betriebsrat bei Aero Ems in Haren, kann darber nur den Kopf schtteln. Auf der Arbeitshose steht "Enercon", auf Firmenmobiliar, auf der Weihnachtsgeldabrechnung. berall gibt sich das Unternehmen zu erkennen - "aber jetzt, wo es nicht mehr luft, sind wir nicht mehr Enercon, sondern nur noch Zulieferer. Das kann doch nicht sein." Die Beschftigten lassen aber keinen Zweifel. "Wir sind Enercon", sagen sie.

Zukunft verbaut

Mit jedem Beschftigten und jedem Standort, den Enercon aufgbe, verlre das Unternehmen "wichtiges Know-how und gefhrdet die eigene Zukunft", mahnen die IG Metall Kste und die betroffenen Betriebsrte. Die Windenergie hat langfristig gute Perspektiven. Schon weil die Klimaschutzziele der Bundesregierung nur mit erneuerbaren Energien einzuhalten sind. Bis 2030 will die Bundesregierung erreichen, dass 65 Prozent der Energie aus regenerativen Quellen kommen. Das ist nur durch einen massiven Ausbau der Windanlagen zu schaffen.

Enercon: Beschftigte demonstrieren gegen geplanten Kahlschlag


Durch die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs wird ihre Bedeutung noch zustzlich wachsen. Denn Elektrofahrzeuge sind nur dann klimafreundlicher, wenn der Strom aus erneuerbarer Energie stammt. Der Ausbau msste also noch beschleunigt werden. Minister Altmaier begrndet das Zgern damit, dass beim Ausbau die Aufnahmefhigkeit der Netze bercksichtigt werden msste. Experten sagen jedoch, dass in die vorhandenen Netze noch mehr Strom eingespeist werden knnte.

Tausende Stellen betroffen

Es geht um die wirtschaftliche Zukunft der Beschftigten einer ganzen Branche. Bundesweit hngen rund 160 000 Arbeitspltze von der Windbranche ab. Allein in Niedersachsen sind es 36 000. In den vergangenen Jahren sind schon rund 2000 Stellen abgebaut worden. Die jetzt drohenden Entlassungen betreffen also eine eh schon stark gebeutelte Region.

Positionierung: Wir sind Enercon. Arbeitspltze und Standorte erhalten.



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