Gewerkschaft warnt vor Kahlschlag und will Know-how erhalten

Befragung der IG Metall: Lage in der Windindustrie spitzt sich zu

(29.08.2017) Die Aussichten in der Windindustrie haben sich erheblich verschlechtert. Mehr als 40 Prozent der Betriebsrte gehen von einer negativen Marktentwicklung aus. In knapp einem Viertel der Unternehmen erwarten die Betriebsrte einen Beschftigungsabbau. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter Betriebsrten, die die Agentur fr Struktur- und Personalentwicklung (AgS) aus Bremen im Auftrag der IG Metall durchgefhrt hat.

"Die Situation in der Windindustrie spitzt sich zu - schneller und deutlicher als wir es befrchtet hatten", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Kste. "War vor einem Jahr von Entlassungen und Standortschlieungen noch keine Rede, sind davon jetzt zahlreiche Unternehmen sowohl aus dem On- als auch dem Offshore-Bereich betroffen. Erste Standortschlieungen sind vollzogen (Senvion in Husum und Trampe) bzw. angekndigt (Powerblades in Bremerhaven)." Die IG Metall fordert gemeinsame Anstrengungen mit Unternehmen und Politik, um die Beschftigten und damit das Know-how in den Betrieben zu halten. "Um die Klimaschutzziele zu erreichen und gengend Strom etwa fr die Elektromobilitt zu produzieren, muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben werden", so Bezirksleiter Geiken. Deshalb drfe es jetzt keinen Kahlschlag mit Blick auf die Rendite geben. Gefragt seien stattdessen durchdachte Arbeitsmarktkonzepte unter Einbeziehung von Kurzarbeit und Qualifizierung.

Nach der Befragung geht jeder dritte Betriebsrat fr die kommenden zwei Jahre von einer abnehmenden Auftragsentwicklung in seinem Unternehmen aus. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil der Betriebe mit einer negativen Prognose deutlich gestiegen. Fr die Zeit ab 2019 knnen die Betriebsrte keine Einschtzung geben. In denjenigen Betrieben, die den Beschftigungsrckgang beziffern konnten, sollen mehr als 1400 Arbeitspltze wegfallen. Das wren knapp 20 Prozent aller Arbeitspltze in diesen Betrieben.

Kritisch bewertet die IG Metall die ersten beiden Ausschreibungsrunden fr Windenergie an Land. Bei den meisten Zuschlgen greifen Sonderregelungen fr Brgerwindparks. Damit ist offen, ob und wann die Projekte umgesetzt werden. "Wir befrch-ten dadurch einen massiven Einbruch der Produktion. Um Beschftigung zu halten und die Technik der Anlagen weiter zu verbessern, braucht es einen ambitionierteren und vor allem verlsslichen Ausbaupfad", erklrte IG Metall-Bezirksleiter Geiken. Auf Initiative von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies macht sich die Gewerk-schaft gemeinsam mit Verbnden wie dem BWE und der wab Bremerhaven sowie Unternehmen wie Enercon, Carbon Rotec und EWE fr Korrekturen bei den Ausschreibungsmodalitten stark.

Als erfreulich wertet die Gewerkschaft, dass Tarifbindung auch in der Windbranche fr bessere Arbeitsbedingungen sorgt. "Nach der Befragung sind die Arbeitszeiten in tarifgebundenen Betrieben krzer und die Ausbildungsquote hher", so Geiken. "Betriebe mit Tarifvertrgen setzen auch weniger stark auf Leiharbeit und Werkvertrge. Auerdem haben sie weniger Probleme bei der Stellenbesetzung."

An der Befragung beteiligten sich Betriebsrte von 38 Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet, die insgesamt mehr als 24.000 Beschftigte reprsentieren.

:: Prsentation der Ergebnisse der Berfragung 2017 (PDF | 1365 KiB)



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