Krisentreffen wegen Stellenabbau bei Enercon

Bundesregierung will Beschftigte untersttzen

(16.08.2018) Gestern sollte im niederschsischen Wirtschaftsministerium bei einem Krisentreffen ber Alternativen zu geplanten Entlassungen bei Enercon geredet werden. Doch die Geschftsleitung kam nicht. Heute versprach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Beschftigten, sie zu untersttzen.

Foto: Franz Fender

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kam heute nach Emden, um mit Betriebsrten von Enercon, Metallern und niederschsischen Bundes- und Landtagsabgeordneten ber die Zukunft von Enercon zu reden. Dabei bekannte er sich zum Ausbau der Windenergie. Ein notwendiges Signal, denn die Beschftigten in der Branche sind in groer Sorge. Viele Arbeitspltze wurden schon vernichtet. Und dann hat krzlich Enercon angekndigt, in den nchsten Monaten rund 850 Stellen abzubauen.


Der Windanlagenbauer will sein Geschft internationaler ausrichten. Die heimischen Mrkte leiden darunter, dass der Ausbau der Windenergie zurzeit politisch gedeckelt wird. Zwar hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag eine Sonderausschreibung fr zustzliche Windenergie zugesichert, aber bisher nicht beschlossen. Nach dem Treffen mit Altmaier sagte Meinhard Geiken, der Leiter der IG Metall Kste, zufrieden: "Der Bundesminister hat uns versichert, dass die geforderten Sonderausschreibungen kommen und 2019 und 2020 wirksam sind". Altmaier habe klar bekannt, dass die Windbranche eine wichtige Rolle fr die deutsche Wirtschaft spielt und industriepolitisch gefrdert werden muss.

Rund 150 Beschftigte protestieren vor dem niederschsischen Wirtschaftsministerium gegen den geplanten Personalabbau. (Foto: Franz Fender)

Respektlos

Dem Besuch von Altmaier vorausgegangen war eine Krisensitzung gestern im niederschsischen Wirtschaftsministerium in Hannover. Dort sollte mit den Geschftsfhrern von Enercon ber Alternativen zu den geplanten Entlassungen gesprochen werden. Doch die beiden Manager Simon-Hermann Wobben und Hans-Dieter Kettwig hatten sich geweigert, daran teilzunehmen. Auch zum heutigen Termin mit Altmaier erschienen sie nicht. "Das ist respektlos gegenber den Beschftigten", emprt sich Geiken, "und gegenber dem Bundesminister und gegenber Landesenergieminister Olaf Lies, der zu dem Treffen heute eingeladen hatte".


Schlechtes Signal


Auch der niederschsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann kritisierte das Fernbleiben der Geschftsfhrer. Das sei ein problematisches Signal und kein Zeichen guter sozialpartnerschaftlicher Unternehmensleitung. Zumal die Windanlagenhersteller, auch Enercon, in den vergangenen Jahren "nicht unmageblich" von staatlicher Frderung profitiert htten. Der CDU-Politiker versicherte, dass die Landesregierung sie nicht "aus ihrer Pflicht entlassen wird, mit uns zu sprechen".


Von dem geplanten Stellenabbau bei Enercon-Tchtern betroffen wren vor allem 235 Beschftigte beim Rotorblatt-Hersteller Aero Ems in Haren, 190 bei WEC Turmbau in Emden und 132 in Magdeburg, 150 bei WEC Site Service in Westerstede und 130 in Aurich bei Enercon. Etwa 150 Arbeitnehmer hatten sich gestern vor der Krisensitzung vor dem niederschsischen Wirtschaftsministerium zu einer Kundgebung (Foto) versammelt, um gegen den geplanten Personalabbau zu protestieren.

Enercon: Beschftigte demonstrieren gegen geplanten Kahlschlag

Zeit berbrcken

Althusmann geht davon aus, dass die Probleme der Windenergie in etwa eineinhalb Jahren berwunden sind. Danach werden wieder mehr Anlagen nachgefragt - und Menschen gebraucht, die sie bauen. Wie die IG Metall ist der Minister der Auffassung, dass die nchste Zeit anders als durch Entlassungen berbrckt werden kann. Darber und ber die Zukunftsperspektiven der Windbranche insgesamt sollte bei dem Krisentreffen gestern geredet werden. An ihm nahmen darum neben dem Minister, Enercon-Beschftigten und Metallern auch Vertreter der Arbeitsagentur, der ostfriesischen Industrie- und Handelskammer und des Bundesverbands Windenergie teil. Doch weil die wichtigste Partei fehlte - die Geschftsfhrung, gab es keine Ergebnisse.

Kommenden Montag will die IG Metall das Krisentreffen und die weiteren Gesprche mit Politikern gemeinsam mit den Enercon-Betriebsrten bewerten und das weitere Vorgehen mit ihnen besprechen. Nchsten Mittwoch reisen Beschftigte von Enercon nach Hannover: Dann sind die Situation bei Enercon und die Lage der Windindustrie Thema im Niederschsischen Landtag.

Positionierung: Wir sind Enercon. Arbeitspltze und Standorte erhalten.



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