Beteiligung. Macht. Stark

Es geht nicht nur ums Geld

(01.08.2016) Bei den Flchentarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt: Gute Arbeitsbedingungen sind fr die Beschftigten genauso wichtig wie eine faire Entlohnung.

"Die Kolleginnen und Kollegen haben gemerkt, dass sie ber die IG Metall in ihrem Betrieb wirklich etwas bewegen knnen." - Ralf Wilke, (Mitte), Vertrauenskrperleiter bei Daimler in Bremen

Die Vertrauensleute mussten kaum mobilisieren. Das haben die Arbeitgeber selbst getan. Sie haben die Belegschaft mit einem Schlag gegen sich aufgebracht. Als in der Tarifrunde 2015 bekannt wurde, dass sie knftig nur noch halb so viele Mitarbeiter wie zuvor in die Altersteilzeit entlassen wollten, gingen die KollegInnen auf die Barrikaden. Zum Beispiel bei Daimler in Bremen: Zwei Warnstreiks und ein Aktionstag mit fast 6 000 TeilnehmerInnen waren die Folge. Es stand sogar ein unbefristeter Streik im Raum. Der neue Altersteilzeittarifvertrag kam dann doch zustande. "In Teilen ist er sogar besser als der alte", sagt Ralf Wilke, Vorsitzender der Vertrauenskrperleitung der IG Metall bei Daimler in Bremen. "Die
Kolleginnen und Kollegen waren bereit, ernst zu machen. Das hat der Arbeitgeber gesprt."

Altersteilzeit und Bildung das sind die beiden Themen, die die KollegInnenen aus der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen Jahren vor allem auf die Strae getrieben haben. Denn sie betreffen die Beschftigten persnlich stark. Zum einen, weil die Belegschaften immer lter werden alternsgerechtes Arbeiten und ein flieender bergang in die Rente rcken dadurch ins Blickfeld. Und zum anderen, weil sie einfach spren, dass die Arbeit anstrengender wird. Die Produktion zieht kontinuierlich an. "Diese Themen sind sehr mobilisierungsfhig, weil die persnliche Betroffenheit so gro ist", berichtet Wilke.

Dadurch hat sich in den vergangenen Jahren einiges in den Tarifrunden verndert und das nicht nur in der Metallindustrie, sondern zum Beispiel auch in der Holz- und Kunststoffverarbeitung. Frher ging es dabei fast ausschlielich um die Hhe des Entgeltes. Auch die Beschftigungssicherung war ein groes Thema im Zuge der Globalisierung drohte immer wieder die Schlieung einzelner Standorte oder zumindest eine Reduktion der Belegschaften.

Wie es aber um die Arbeitsbedingungen in den einzelnen Betrieben bestellt war, rckte darber in den Hintergrund. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. "Qualitative Themen rcken immer mehr in den Vordergrund", sagt Olaf Kunz, Tarifsekretr der IG Metall Kste fr die Metall- und Elektroindustrie. "Heute sind es Themen wie Altersteilzeit, Leiharbeit, die bernahme der Auszubildenden oder Weiterbildung, fr die sich die Kolleginnen und Kollegen engagieren."

Welche Themen genau die IG Metall Kste in die Tarifrunden trgt, bestimmen die Mitglieder entscheidend mit. 2013 hat die IG Metall eine bundesweite Beschftigtenbefragung durchgefhrt, um herauszufinden, was die KollegInnen besonders bewegt. Bundesweit beteiligten sich mehr als 500 000 Menschen, davon mehr als 30 000 im Bezirk Kste. Die Ergebnisse wurden auf Mitgliederversammlungen in den Betrieben und auf Regionalkonferenzen mit FunktionrInnen diskutiert. Daraus wurden dann die Forderungen fr die Tarifrunden abgeleitet. "Die Kolleginnen und Kollegen haben dadurch gemerkt, dass sie ber die IG Metall in ihrem Betrieb wirklich etwas bewegen knnen", so Kunz.

Beispiel Tarifrunde 2015: Neben einer sehr erfolgreichen Entgeltrunde konnte ein neuer Altersteilzeit- und ein Bildungstarifvertrag abgeschlossen werden. Mglich war das nur, weil die Mitglieder mitgezogen haben: 1 300 MetallerInnen kamen noch in der Friedenspflicht zur ersten Verhandlung Mitte Januar nach Hamburg. Insgesamt 62 000 Beschftigte beteiligten sich an den Warnstreiks, ein Drittel davon am Kstenaktionstag kurz vor der entscheidenden Verhandlungsrunde in Baden-Wrttemberg. "Die Leute sind hochzufrieden mit den Abschlssen, sagt Vertrauenskrperleiter Wilke. Das steigere auch die Akzeptanz der IG Metall im Betrieb.



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