Wir gestalten Wandel

Zukunft der Arbeit

(01.08.2016) Die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet voran und damit auch die der Arbeitswelt. Den Wandel mitzugestalten, ist eine groe Herausforderung. Die IG Metall Küste arbeitet intensiv daran.

Konferenz zu Industrie 4.0 mit dem IG Metall-Vorsitzenden Jrg Hofmann (Mitte) und Bezirksleiter Meinhard Geiken.

Viele Beschäftigte wissen gar nicht, dass sie gerade eine sogenannte Revolution erleben. Denn der Wandel kommt schleichend, nicht auf einen Schlag. Wenn sie früher zum Beispiel im Homeoffice arbeiten konnten, hie das, dass sie zuhause an einem Schreibtisch saen, an einem Computer, der fest installiert war und von dem sie Dokumente per Mail zu ihrem Arbeitgeber schickten. Heute haben sie einen Laptop auf dem Scho, whrend sie im Zug sitzen, und schreiben darauf automatisch ins SAP-System ihres Betriebes.

Oder, zweites Beispiel: Eine Industriemechanikerin hat Bauteile früher mit der Hand geschliffen und lackiert. Heute bedient sie eine hochmoderne Maschine, die das für sie übernimmt. Es ist eine digitale Revolution, die sich da vollzieht, und damit auch eine der gesamten Arbeitswelt: Die 4. Industrielle Revolution, kurz Industrie 4.0.

Was aber muss gestaltet werden? Wie können die Chancen des Wandels genutzt, die Risiken minimiert werden? Das sind Fragen, die Unternehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften seit Jahren intensiv beschäftigen. Die IG Metall Küste macht sich für gute Arbeit in der Industrie 4.0 stark. Im September 2013 und Dezember 2014 hat sie betriebspolitische Konferenzen zum Thema organisiert, auf denen jeweils mehr als 120 Vertrauensleute und Betriebsräte intensiv über die Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten der Industrie 4.0 diskutierten. Auch im bezirklichen Vertrauensleute-Ausschuss war es in den vergangenen Jahren eines der zentralen Themen. "In der Flugzeugindustrie zum Beispiel beinhalten die Bauteile heute Chips, auf denen jeder Arbeitsschritt nachzuvollziehen ist", sagt Dieter Lange, Vertrauensmann bei Premium Aerotec in Varel. "Das hat massive Auswirkungen auf die Beschäftigten. Die Arbeitsplätze verändern sich durch die Digitalisierung stark."

Gestaltungsbedarf tut sich insbesondere bei Fragen der Mitbestimmung, der Beschäftigungssicherung, der Weiterbildung und des Datenschutzes auf. "Da besteht groer Regelungsbedarf", sagt Stephanie Schmoliner, Tarifsekretärin der IG Metall Küste. Eine Schwierigkeit liegt auch darin, dass sich der Wandel in den einzelnen Branchen und Unternehmen sehr ungleichzeitig vollzieht. Whrend es bei Premium Aerotec zum Beispiel lngst Standard ist, dass alle Produktionsschritte digital miteinander vernetzt sind, ist im Kieler Werk von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) nur eingeschrnkt geregelt, unter welchen Bedingungen Mitarbeiter von unterwegs auf das Computersystem zugreifen drfen. "TKMS ist ein Rstungsunternehmen, da ist Vernetzung nach innen und auen ein sensibles Thema, sagt Stefanie Sawicki, Betriebsrtin und Vertrauensfrau der IG Metall. "Andere Unternehmen sind in der Industrie 4.0 schon Meilen weiter."

Sawicki vertritt den Bezirk Kste in einer Arbeitsgruppe des IG Metall-Vorstandes zum Thema Industrie 4.0, die zwei Mal im Jahr tagt. Dort ist sie im intensiven Austausch mit Unternehmensvertretern, Instituten und Politikern, die den Fortschritt der stillen Revolution aufzeigen. Sie wei also, was auf viele Betriebe in den
kommenden Jahren noch zukommen wird. "Ich finde, dass die Chancen der Digitalisierung die Risiken insgesamt berwiegen", sagt sie. "Aber natrlich nur, wenn wir den Wandel aktiv begleiten und mitbestimmen."



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