Jrg Hofmann im Interview

"Wir mssen jetzt laut sein!

(18.06.2019) Jrg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, ber die bevorstehende Grodemonstration in Berlin und seine Botschaft an Regierung und Arbeitgeber.

Jrg, am 29. Juni demonstrieren Metallerinnen und Metaller aus der ganzen Republik in Berlin. Was ist Dein Ziel bei dieser Demonstration?

Jrg Hofmann: Deutlich zu machen: Unsere Stimme kann man nicht ignorieren. Wir vertreten selbstbewusste Beschftigte in den Betrieben unserer Branchen. Wir sind die IG Metall, die grte Gewerkschaft Europas. Wir sind 2,3 Millionen Menschen. Und diese Beschftigten haben berechtigte Anliegen zur Sicherung und Gestaltung ihrer Zukunft, die wir jetzt dringend durchsetzen mssen.

Welche sind das?

Die deutsche Industrie steht vor einem weitgehenden Umbruch: Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung erzeugen gewaltigen Vernderungsdruck. In vielen Betrieben ist das schon heute zu spren. Standorte und Arbeitspltze sind bedroht, Qualifikationen verndern sich deutlich. Wir wollen diese Transformation gestalten, wir wollen die Regeln mitbestimmen. Aus technologischem Fortschritt und kologischem Wandel muss sozialer Fortschritt fr alle werden. Es geht um sichere Beschftigung und um die Zukunft der nchsten Generationen. Wir wollen, dass es gerecht zugeht ― fr alle!

Was forderst Du konkret von der Politik?

Die Transformation der Industrie ist kein Naturereignis. Wir knnen und werden sie mit und im Sinne der Beschftigten gestalten. Dafr muss die Regierung aber endlich aktiv werden. Es gibt zig Baustellen: Wir brauchen massive Investitionen in den ffentlichen Nahverkehr ― wie soll sonst die Verkehrswende gelingen? Wir brauchen flchendeckend Ladestationen ― wer kauft denn sonst E-Autos? Wir brauchen mehr Geld fr Bildung und ein Recht auf Weiterbildung ― wie sollen wir sonst die Arbeit von morgen erledigen knnen?

Am Arbeitsmarkt gibt es ebenfalls viel Unsicherheit

Auch dort sind die politisch Verantwortlichen gefordert. Gerade in Zeiten des Umbruchs muss der Sozialstaat Sicherheit bieten: Leiharbeit, Befristung und Minijobs kann und muss die Regierung zurckdrngen. Der Abstieg in Hartz IV darf keine stndige Drohkulisse fr Beschftigte sein.

Was mssen die Unternehmen tun?

Jedes Unternehmen ist in der Pflicht, sich zu fragen: Was bedeuten Digitalisierung und Klimaziele fr unsere Produkte? Entsprechend mssen sie sich fr die Zukunft aufstellen. Das heit: investieren in zukunftsfeste Produkte und Standorte, systematische Personalentwicklung und Angebote fr Weiterbildung. In vielen Betrieben passiert da viel zu wenig. Das ist fahrlssig.

Und was macht die IG Metall?

Wir handeln lngst. In zahlreichen Unternehmen treiben wir die Entwicklung an. Zum Beispiel mit unserem Transformationsatlas, der gerade entsteht, mit Betriebs- und Zukunftsvereinbarungen und natrlich mit Tarifvertrgen, die Beschftigung sichern und Qualifizierung garantieren. Das ist manchmal verkehrte Welt. Im Grunde mssten die Manager sich um die Zukunftsfhigkeit ihrer Betriebe und der dort Beschftigten kmmern. Aber oft sehen wir: Fehlanzeige.

Wann ist die Demonstration in Berlin ein Erfolg?

Wenn wir so viele und so laut sind, dass Regierung und Arbeitgeber unsere Botschaften nicht berhren knnen. Die Politik muss das Gelingen der Transformation zu ihrem zentralen Projekt machen.



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