Zukunftspakt vereinbart

Siemens: Investitionen in Qualifizierung

(28.02.2019) Die Digitalisierung ndert die Arbeitswelt grundlegend. Bei Siemens hat das Management jetzt auf Druck von IG Metall und Gesamtbetriebsrat einem Zukunftspakt zugestimmt, mit dem die Transformation im Sinne der Beschftigten gestaltet werden soll. Geregelt werden Investitionen in Qualifizierung.

(Foto: vgajic/iStock)

Fortschreitende Digitalisierung und umfassende Vernetzung, so viel ist gewiss, wird die Arbeitswelt grundlegend verndern. Weitgehend unklar ist dagegen, welche Folgen das haben wird fr die einzelnen Unternehmen, fr ihre Produktionsprozesse und Geschftsmodelle, vor allem aber fr die Beschftigten, fr ihre Arbeitspltze und Aufgabenstellungen. Wie werden sich Zahl und Ttigkeitsprofile der Arbeitspltze wandeln? Welche neuen Fhigkeiten und Fertigkeiten werden Beschftigte zuknftig entwickeln mssen? Kurz gesagt: Wie kann die Transformation in die Arbeitswelt 4.0 so gestaltet werden, dass niemand unter die Rder kommt?

Bei Siemens hat das Management nun auf Druck von IG Metall und Gesamtbetriebsrat einem "Zukunftspakt" mit Gewerkschaft und Betriebsrten zugestimmt, der helfen soll, den digitalen Wandel im Unternehmen im Sinne der Beschftigten zu gestalten und der vor allem verstrkte Investitionen und Anstrengungen in die Lern-, Anpassungs- und Zukunftsfhigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelt. "Damit ist uns ein wichtiger Schritt gelungen, den Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen, die Digitalisierung mit den Beschftigten zu gestalten", sagt IG Metall Hauptkassierer und Siemens-Aufsichtsrat Jrgen Kerner.

Wandel der Arbeitsbedingungen - Strukturwandel gestalten

Wie wichtig die Gestaltung der Digitalisierung im Sinne der Beschftigten ist, wie elementar die Regelungen im "Zukunftspakt" sind, das unterstreicht eine von IG Metall und Siemens-Gesamtbetriebsrat in Auftrag gegebene Studie. Wissenschaftler der Hans-Bckler-Stiftung und des unabhngigen IMU-Instituts haben untersucht, welche Folgen fortschreitende Digitalisierung frs Unternehmen hat. Die Beschftigtenzahl, so ein zentrales Ergebnis der Studie, drfte bei Siemens in den kommenden Jahren weitgehend stabil bleiben. Allerdings kommen die Autoren, die fr ihre Arbeit mit Fhrungskrften und Betriebsrten gesprochen haben und auch zahlreiche Siemens-Dokumente analysieren konnten, zu dem Schluss, dass sich die Arbeitsbedingungen fr viele Beschftigte im Unternehmen grundlegend wandeln werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei Siemens knftig komplette Abteilungen und Hierarchieebenen wegfallen. Die Beschftigten mssen sich darauf einstellen, in immer neuen, flexiblen, ber Abteilungsgrenzen hinweg arbeitenden Teams zusammengesetzt zu werden. Es wird, so die Studie, zu einem grundlegenden, raschen Wandel von Aufgaben, Arbeitsweisen und Arbeitsumfngen kommen.

Fr die Beschftigten ist daher Weiterbildung und Qualifizierung elementar. Der vereinbarte Zukunftspakt trgt der Analyse der Studie Rechnung: Aus diesem Grund wird ein "Zukunftsfonds" mit einem Volumen von 100 Millionen Euro fr zunchst vier Jahre aufgelegt, mit denen konkrete Projekte zur Qualifizierung, finanziert werden sollen. Die Mittel hierzu werden von einem parittisch besetzten Vergabeausschuss vergeben. "Wir wollen und wir werden den strukturellen Wandel im Sinne der Beschftigten gestalten", sagt Jrgen Kerner. "Dazu mssen die Beschftigten mitgenommen werden, dazu muss das Unternehmen in Qualifizierung investieren. Siemens muss zu einer lernenden Organisation werden, die dem Wandel adquat begegnet. Das heit auch: Keiner darf auf der Strecke bleiben."

Auch Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn freut sich ber diesen Zukunftspakt: "Das Entscheidende daran ist, dass proaktiv der Wandel angegangen werden soll und dass auch dem Management klar ist: Strukturwandel gibt es nicht umsonst. Da ist es doch besser in Weiterbildung zu investieren statt in immer wieder kehrende Sozialplne."

Weiterbildung und Qualifizierung wird gro geschrieben


Zustzlich zur kontinuierlich gefrderten Kompetenzentwicklung der Beschftigten soll es mehr Transparenz beim internen Arbeitsmarkt geben: Knftig mssen freie Stellen auf allen Hierarchieebenen ausgeschrieben werden. Dazu wird es Transparenz ber zukunftsfhige Kompetenzen und Fhigkeiten auch in bestehenden Jobprofilen geben. Der Vorstand verpflichtet sich, der Belegschaft Orientierung darber zu geben, welche Kompetenzen als zukunftsfhig und chancenreich betrachtet werden und zwar, mindestens einmal im Jahr, speziell fr jeden einzelnen Siemens-Standort. So soll es Beschftigten mglich werden, die Planungen und Anforderungen an den jeweiligen Standorten detailliert zu berblicken, eigene Entwicklungsmglichkeiten zu erkennen und dann auch verwirklichen zu knnen.

Nicht zuletzt sollen sich Siemens-Beschftigte knftig auf Firmenkosten auch in ihrer Freizeit weiterbilden und zwar ausdrcklich auch ber die derzeitige Ttigkeit hinaus. Fhrungskrfte mssen ihren Angestellten erlauben, in der Arbeitszeit zu lernen und sich weiterzubilden, wenn diese auch Teile ihre Freizeit dafr einbringen, so ist es vereinbart. "Die Einzelheiten zu diesem Zukunftspakt werden wir in einer Gesamtbetriebsvereinbarung regeln", sagt Birgit Steinborn.



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Digitalisierung und Industrie 4.0, neue Geschftsmodelle, Globalisierung, Elektromobilitt, neu gestaltete Wertschpfungsketten sind die Treiber von tief greifenden Vernderungen in der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Weil diese so weitreichend sind, spricht die IG Metall nicht mehr nur von Wandel, sondern von Transformation.

Ansprechpartnerin



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Luft- und Raumfahrt, Arbeitsmarktpolitik, Frauen

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