Von Daniel Friedrich

Industriepolitik geht nur mit den Beschftigten

(20.11.2019) Gelebte Mitbestimmung und Beteiligung der Belegschaften sind der Schlssel fr die Zukunftsfhigkeit der Industrie. Daniel Friedrich, designierter Bezirksleiter der IG Metall Kste, zur Industriepolitik der Zukunft.

(Bild: vgajic/iStock)

Wird Schleswig-Holstein zur Industrie-Wste? Diesen Eindruck knnte man gewinnen, wenn man sich die Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate ber grere Industrie-Betriebe im nrdlichsten Bundesland anschaut. Aber das Bild tuscht. In fast 7.000 Industriebetrieben mit an die 170.000 qualifizierten Beschftigten ist die Industrie ein zentrales Standbein des wirtschaftlichen Erfolges im Norden. Neben einer deutlichen hheren Wertschpfung gegenber anderen Wirtschaftsbereichen liegen Lhne und Gehlter mit fast 50 Prozent deutlich ber dem Schnitt im Land. Beide Faktoren erfolgreiche Unternehmen und gutbezahlte Arbeitspltze sind fr die Steuer- und Sozialkassen unverzichtbar.

Daher schmerzt es umso mehr, wenn Betriebe nun Arbeitsplatzabbau und Schlieungen anstatt Zukunftsinvestitionen ankndigen. Dies ist nicht nur fr die Betroffenen verheerend, sondern in den meisten Fllen auch das Ergebnis falscher Entscheidungen der Vergangenheit. Bei schwchelnder Konjunktur geraten die Betriebe unter Druck, die whrend der Boom-Phase ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Dies rcht sich dann. Da wo es keine Betriebsrte und Gewerkschaften gibt, sind die Beschftigten dann den Entscheidungen des Arbeitgebers hilflos berlassen. Die Finanzkrise 2008 hat gezeigt, dass ein Rendite-Wahn die Wirtschaft in den Kollaps fhrt. Mit diesem Wissen brauchen wir industriepolitische Vernunft und damit notwendige Investitionen in die Zukunft.

Die Digitalisierung wird - zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten - in den Branchen und im einzelnen Betrieb Produkte, Arbeitsablufe und Arbeitspltze auf den Kopf stellen und verndern. Dafr mssen die Belegschaften fitgemacht und mitgenommen werden. Dieser "Transformationsprozess" muss gestaltet und darf nicht dem Markt berlassen werden. Der IG Metall-Transformationsatlas zeigt, dass hier noch zu viele Betriebe im Dornrschenschlaf sind und ein bses Erwachen droht, wenn nun nicht rechtzeitig Fahrt aufgenommen wird. Der notwendige Klimawandel stellt die Industrie vor die Aufgabe nachhaltig zu wirtschaften, so dass Wirtschaft und Umwelt erfolgreich vereinbart werden knnen. Um Fachkrfte zu halten und zu gewinnen brauchen wir bessere Arbeitszeitmodelle, mehr Frauen im Betrieb und neue Fhrungs- und Unternehmenskulturen.

Betriebe mit Betriebsrten und Tarifvertrgen sind produktiver und erfolgreicher. Gelebte Mitbestimmung und Beteiligung der Belegschaften sind der Schlssel fr die Zukunftsfhigkeit der Industrie. Die Landesregierung ist gefordert in diesem Sinne eine entsprechende Industriepolitik fr die Beschftigten voranzutreiben. Frderungen des Landes mssen an eine Tarifbindung gekoppelt werden. Die Landesregierung muss alle Beteiligten gemeinsam und regelmig an einen Tisch holen. Hier sind konkrete industriepolitische Manahmen, unter anderem auch zur Strkung der Tarifbindung und zu einer auf die Transformation abgestimmten Qualifizierungsoffensive, zu vereinbaren. Kurzum: Wir brauchen eine industriepolitische Steuerung, die neben dem konomischen Erfolg auch die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft im Blick hat.

(Dieser Text ist am 31. August 2019 in den Kieler Nachrichten erschienen)



Druckansicht

IG Metall
Bezirksleitung Kste
Kurt-Schumacher-Allee 10
20097 Hamburg

Tel.: 040 28 00 90 0
Fax: 040 28 00 90 55

Bezirk.Kueste@igmetall.de